Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam präsentiert Sonderausstellung „SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR“
Vom 13. Mai bis 22. August zeigt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) in Potsdam die Sonderausstellung „SIBYLLE. Modefotografie und Frauenbilder in der DDR“.
Die Zeitschrift SIBYLLE gehörte in der DDR zu den beliebtesten und begehrtesten Publikationen. Die Mode- und Kulturzeitschrift erschien von 1956 bis 1990 alle zwei Monate in einer Auflage von etwa 200 000 Exemplaren, die stets sofort vergriffen war. Auf dem gesamtdeutschen Markt kam 1995 das endgültige Aus.
Der Erfolg der SIBYLLE lag in ihrem einzigartigen Konzept, Mode, Fotografie und Kultur in einem Heft zu verbinden sowie in ihrem Anspruch, alltagstaugliche Mode zu präsentieren und ein modernes Frauenbild zu vermitteln.
„Die berufstätige, selbstbewusste, emanzipierte Frau wollte man zeigen, sich von alten Klischees trennen. Mode ins Verhältnis setzen zu den gesellschaftlichen Idealen“, so Dorothea Melis, die von 1961 bis 1970 die Modeabteilung der Zeitschrift SIBYLLE leitete. Bekannte Fotografen und Fotografinnen wie Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Karol Kállay, Ute Mahler, Werner Mahler, Sven Marquardt, Roger Melis oder Günter Rössler fanden dafür eine ganz individuelle Bildsprache, in der sich Mode- und Porträtfotografie verbanden. „Wir haben nicht nur Mode fotografiert, wir haben Bilder gemacht, die uns wichtig waren“, so die Fotografin Ute Mahler.
Diese anspruchsvolle Haltung prägte über Jahrzehnte die Bildästhetik und damit den besonderen Charakter der SIBYLLE. Redakteure und Fotografen fanden hier eine vergleichsweise große künstlerische Freiheit, wenn auch letztlich immer begrenzt durch die restriktive Medienpolitik der SED.
Die Ausstellung zeigt im Druck erschienene Mode-Fotoserien der SIBYLLE, kombiniert mit wertvollen Originalfotografien. Sie werden ergänzt durch Kommentare von Redakteurinnen, Mannequins und Fotografen über die Arbeitsweise und –bedingungen bei der Moderedaktion der SIBYLLE. Sie erzählen von Zensur und künstlerischer Freiheit, Mangelwirtschaft und Improvisationstalent, Gleichberechtigung und SED-Frauenpolitik sowie Berufstätigkeit und Familienleben in der DDR.
Bekleidungsstücke des Modeinstituts der DDR, des VHB Exquisit und selbst geschneiderte Kostüme von privaten Leihgebern sowie Filmsequenzen von Modesendungen der DDR zeigen Träume von damals. Ein Exkurs über die Bildsprache und ästhetischen Besonderheiten der SIBYLLE-Fotografien ergänzt das Thema Mode.
Zu hören bzw. zu lesen sind Interviews mit Leserinnen der SIBYLLE und eine Auswahl von Leserbriefen. Sie vermitteln einen Einblick in die Rezeption der Zeitschrift und in den DDR-Alltag. Auch Frauenporträts, die in der SIBYLLE erschienen, und Ausschnitte von Sendungen des DDR-Fernsehens, statistische Daten und Hintergrundinformationen verdeutlichen das Frauenbild und die Frauenrealität in der DDR.
Ausstellungskuratorinnen sind Claudia Rücker und Andrea Szatmary, Berlin.
Die Gestaltung übernahm die Agentur KOCMOC.NET, Leipzig.
Die Schau entstand in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Rundfunkarchiv sowie mit der Fachhochschule Potsdam/ Fachbereich Informationswissenschaften.
Führungen und Veranstaltungen ergänzen die Ausstellung.
Begleitend zur Ausstellung erscheint das Buch Sibylle. Modefotografien 1962–1994
Herausgegeben von Dorothea Melis, Leipzig: Lehmstedt Verlag, 2010 (Bilder und Zeiten, hrsg. von Mathias Bertram, Band 12), 176 Seiten mit 160 ganzseitigen Duotone-Abbildungen, 24 x 27 cm, Festeinband, Fadenheftung,
ISBN 978-3-937146-87-4, Preis: 24,90 Euro
Die Ausstellung wurde gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg.
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