Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte präsentiert neue Ausstellungsobjekte in der Abteilung Mittelalter/Frühe Neuzeit der ständigen Ausstellung „Land und Leute. Geschichten aus Brandenburg-Preußen“ im Kutschstall in Potsdam


Heute wurden im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) einige neue Ausstellungsobjekte präsentiert, die seit kurzem in der Abteilung Mittelalter/Frühe Neuzeit der ständigen Ausstellung „Land und Leute. Geschichten aus Brandenburg-Preußen“ zu sehen sind.

Besonders wertvolle Stücke sind eine Heiligenbüste (um 1450) aus Grießen, Kirchenkreis Cottbus (nördlich vom ehemaligen Horno) und ein Altarflügel (um 1450) aus Dölzig, Kreis Königsberg/N.M. (heute: Dolzko/Polen).

Die männliche Heiligenbüste hat eine ganz besondere Geschichte: Sie ist der Rest einer Predella mit ursprünglich vier Heiligenbüsten aus einem gotischen Kanzelaltar der Kirche von Grießen. Sie waren im Jahr 2000 zur Restaurierung gegeben worden, wurden stattdessen aber unterschlagen und gerieten in den Kunsthandel. Einige Jahre später tauchte die Heiligenfigur bei einem Antiquitätenhändler wieder auf. Es folgte eine Strafanzeige wegen Unterschlagung, eine Gerichtsverhandlung und schließlich Verurteilung des Täters. Leider ist diese Büste das einzige Altarstück, das bislang wieder aufgefunden wurde. Das HBPG hat deren Restaurierung finanziert und zeigt sie nun als Leihgabe der Evangelischen Kirchengemeinde Grießen im Kutschstall.

Von dem reich verzierten Dölziger Flügelaltar, der zum bedeutendsten Altbestand des Märkischen Museums gehört, sind heute nur noch die beiden Altarflügel erhalten. Der im Kutschstall ausgestellte rechte Flügel präsentiert in zwei Geschossen je drei Apostel. Auf der Rückseite sind Malereifragmente mit der Darstellung einer Verkündigungsszene zu erkennen. Sie zeigt die ein Buch lesende Maria mit dem Heiligen Geist in Form einer stilisierten Taube. Das HBPG hat die Restaurierung dieses Altarflügels finanziert und präsentiert ihn nun in der ständigen Ausstellung als Leihgabe der Stiftung Stadtmuseum Berlin.

Neu sind auch vier Urkunden aus dem 13. und 14. Jahrhundert – darunter ein Schutzbrief von 1363 für die Juden in Stendal – die das Stadtarchiv Stendal als originale Zeugnisse der brandenburgischen Städtegeschichte dem HBPG zur Verfügung stellte.

Aus dem 16. Jahrhundert stammt der Kürißsattel und die Brechscheibe zu einem Küriß des Kurfürsten Joachim II. Hektor von Brandenburg (1505–1571). Sie zeugen von der Renaissance der ritterlichen Turniere als höfische Spiele in der Regierungszeit Kaiser Maximilians I. (1459–1519).

Für das „Stechen“ und das „Rennen“ benötigten die Ritter den Küriß als besonderen Harnischtyp, und auch deren Pferde wurden mit Rüstungen ausgestattet. Das HBPG hat die Restaurierung dieser beiden Leihgaben aus dem Depot des Deutschen Historischen Museums in Berlin finanziert.

Das Original der Brandenburgischen Kirchenordnung von 1572 – dem Corpus Doctrinae Brandenburgicum – hat das HBPG mit Unterstützung des Fördervereins „Freunde des HBPG e.V.“ vor kurzem aus dem Kunsthandel angekauft und restauriert.

Als oberster Bischof seiner evangelischen Landeskirche hatte Kurfürst Johann Georg (1571–1598) namhafte Theologen beauftragt, die alte Kircheordnung von 1540 zu revidieren und neu zu publizieren. Schon ein Jahr nach seinem Regierungsantritt wurde diese in den Offizin Eichhorn in Frankfurt (Oder) gedruckt. Die Kirchenordnung von 1572 besteht im ersten Teil aus der unveränderten Augsburgschen Konfession, darauf folgte der Kleine Katechismus mit Briefen und Lehrschriften Martin Luthers sowie im letzten Teil die landesfürstliche Agende. Kurfürst Johann Georg bestimmte seinerzeit, dass alle Pfarreien Brandenburgs diesen Corpus zu kaufen hatten.

Das in der ständigen Ausstellung gezeigte Original der Kirchenordnung von 1572 wird durch eine benutzerfreundliche und mit Erläuterungen versehene Medienversion ergänzt, die das HBPG erarbeitet hat.


 
 
 
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