Karl IV.

Ein Kaiser in Brandenburg
16. September 2016 bis 22. Januar 2017

Eine Ausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Kooperation mit dem Domstift Brandenburg und der Brandenburgischen Historischen Kommission zum 700. Geburtstag von Karl IV.

Unter der Schirmherrschaft des Botschafters der Tschechischen Republik in der Bundesrepublik Deutschland Tomáš Jan Podivínský und des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg Dr. Dietmar Woidk.

Im Jahr 2016 wird der 700. Geburtstag des böhmischen Königs und römisch-deutschen Kaisers Karl IV. (1316–1378) begangen. In Prag und Nürnberg würdigt ihn eine gemeinsame Bayerisch-Tschechische Landesausstellung – in Potsdam kommt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte etwas kleiner daher, aber erstmals mit einer Ausstellung über die Wirkung der kaiserlichen Herrschaft in der Mark Brandenburg.

1373, erst fünf Jahre vor seinem Tod, war es dem in Prag residierenden Kaiser Karl IV. gelungen, die Landesherrschaft über die Mark Brandenburg und die Niederlausitz zu erlangen. Diese Machterweiterung war Teil seiner politischen und wirtschaftlichen Ambitionen, sein Königreich Böhmen über Elbe und Oder bis zur Ostsee auszudehnen und mit der Markgrafschaft eine weitere Kurstimme im dynastischen Machtkampf zu gewinnen. Sinnbild dieses bedeutenden Erfolges wurde seine neue, glanzvolle Residenz an der Elbe in Tangermünde. Noch heute findet man dort den Burgbezirk mit vielen Fachwerkhäusern.

Blick in die Sonderausstellung "Karl IV. – Ein Kaiser in Brandenburg" im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Potsdam, 16.09.2016 bis 22.01.2017, Foto: Michael Setzpfandt Für einige Jahrzehnte erfuhr die Mark Brandenburg einen Modernisierungsschub. Das 1375 im Auftrag von Karl IV. angelegte Landbuch der Mark Brandenburg machte eine effiziente Verwaltung möglich, und Städte wie Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) und Berlin-Cölln erlebten einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung. In Tangermünde errichtete Karl IV. eine prachtvolle und reich ausgestattete Residenz, die neben Prag und Nürnberg als dritte die Bedeutung eines zentralen kaiserlichen Sitzes erlangte.

Unter dem sehr kunstsinnigen Karl IV., dessen Residenz Prag von Künstlern aus ganz Europa geprägt wurde, nahm vor allem eine bemerkenswerte kulturelle Veränderung in der Mark ihren Anfang. Bedeutende böhmische Kunstwerke kamen durch den böhmischen Hof ins Land, und viele böhmische Künstler wanderten nach Brandenburg ein und gründeten hier Werkstätten. Diese prägten noch bis in die dritte Generation hinein maßgeblich die brandenburgische Kunstlandschaft. Noch heute finden sich zahlreiche Zeugnisse dieses böhmischen Erbes in und an historischen Baudenkmälern, in Kirchen, Archiven und Museumssammlungen Brandenburgs. Ihr kunsthistorischer Wert ist kaum zu überschätzen, da in Böhmen durch die hussitischen Bilderstürme im 15. Jahrhundert unzählige Kunstwerke aus der Epoche Karls IV. vernichtet wurden.

Blick in die Sonderausstellung "Karl IV. – Ein Kaiser in Brandenburg" im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Potsdam, 16.09.2016 bis 22.01.2017, Foto: Michael Setzpfandt Die Ausstellung präsentiert über 70 ausgewählte Kunstobjekte der Architektur, Plastik, Malerei und Goldschmiedekunst. Das größte und prachtvollste Exponat im Zentrum der Ausstellung ist ein außergewöhnlich kostbarer Chormantel (letztes Drittel des 14. Jh.) aus dem Dom zu Brandenburg an der Havel, der wahrscheinlich auf eine Stiftung von Karl IV. zurückgeht. Ebenfalls aus dem Brandenburger Dom wird der sog. Kleine Böhmische Altar (Böhmen oder Brandenburg um 1410/20) gezeigt. Den Großen Böhmischen Altar des Doms kann man sich mittels einer Medienstation ansehen und näher erschließen.

Blick in die Sonderausstellung "Karl IV. – Ein Kaiser in Brandenburg" im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Potsdam, 16.09.2016 bis 22.01.2017, Foto: Michael Setzpfandt Die Ausstellung präsentiert – was europweit einzigartig ist – erstmals als ganze Werkgruppe fünf der letzten sieben überhaupt erhaltenen und vom Künstler signierten Abendmahlskelche (um 1400–30), die der Gardelegener Goldschmied Hinrik Horne nach böhmischem Vorbild geschaffen hat. Sie wurden aus verschiedenen Orten zusammengeführt, wobei einer der Kelche (um 1400) erst kürzlich wiederentdeckt worden ist und dem Stendaler Franziskanerkloster zugeordnet wird.

Einige Ausstellungsobjekte wurden mit Hilfe von Förderern eigens für die Ausstellung restauriert und sind nun zum ersten Mal überhaupt im Museumskontext zu sehen: Die Ernst von Siemens Kunststiftung förderte neben der Ausstellung auch die Restaurierung eines erst kürzlich auf dem Dachboden des Heimatmuseums Dahme (Landkreis Teltow-Fläming) entdeckten Altarretabels (um 1420) der Kirche von Wildau. "Die Restaurierung steht exemplarisch für das Anliegen des Bündnisses 'Kunst auf Lager'. Ein hochbedeutender aber ruinöser Altarschrein kommt nun vom staubigen Dachboden als bisher unbekanntes Exponat in eine Ausstellung", freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.
Kasel aus der Nikolaikirche in Berlin-Spandau, Böhmen um 1400, Berlin, Märkisches Museum, Foto: Peter Knüvener Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) unterstützte die Restaurierung einer nur noch im Rückenteil überlieferten Kasel (liturgisches Gewand) aus Seidengewebe, die Mitte des 15. Jahrhunderts mit feinster Fadenmalerei nach böhmischem Vorbild in Brandenburg gefertigt wurde und in der Dorfkirche Karstädt (Landkreis Prignitz) aufbewahrt wird. Gleich daneben ist ein böhmisches Original mit filigraner Fadenmalerei zu sehen: eine Kasel aus der Nikolaikirche in Berlin-Spandau, gefertigt in Prag um 1400. Ebenfalls mit Hilfe der DSD, und auch des Vereins der Freunde des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte e. V., konnte der Torso einer Bischofsfigur (um 1430) aus der Dorfkirche Pitschen-Pickel bei Luckau (Landkreis Dahme-Spreewald) restauriert werden.

Die Ausstellung macht deutlich, welch enorme Ausstrahlung die kaiserliche Kunst und Kultur Karls IV. in die Mark Brandenburg hinein hatte. Böhmische Vorbilder prägten noch über Jahrzehnte die märkische Kunst, selbst als die Mark ab 1411 unter die Herrschaft der Hohenzollern kam.

Kurator der Ausstellung ist der Kunsthistoriker Dr. Jan Friedrich Richter.

Besucherinformationen

Eintritt:
7 Euro, ermäßigt 5 Euro
freitags 5 Euro

Öffnungszeiten & Anfahrt…

Blick in die Ausstellung

Förderer

Die Ausstellung und das Begleitprogramm werden gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und mit Mitteln des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg..

Weitere Förderer des Ausstellungsprojektes sind:
Ernst von Siemens Kunststiftung
Rudolf-August Oetker Stiftung für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege
Friede Springer Stiftung
Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Stiftung Preußische Seehandlung
Freunde des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte e. V.

rbb-Trailer zur Ausstellung

Medienpartner

rbb Fernsehen

Katalog


Titelseite Karl IV. – Ein Kaiser in Brandenburg

Karl IV. – Ein Kaiser in Brandenburg

Begleitbuch zur Ausstellung
Hrsg. von Jan Friedrich Richter, Peter Knüvener und Kurt Winkler für das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Verlag für Berlin-Brandenburg 2016
208 Seiten, 191 Abbildungen, Klappenbroschur, Format: 22 x 27 cm
Buchhandelsausgabe: ISBN 978 3-94256-62-6
Preis im Buchhandel: 24,99 Euro
Preis im Museumsshop: 19,90 Euro 


Vom Maßnehmen, Zuschnitt und Nähen einer Ausstellung

Broschüre zur Ausstellung
herausgegeben von Daniela Döring
im Auftrag des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
96 Seiten | Format: 15 x 23 cm
erhältlich im Museumsshop des HBPG
Preis: 7,50 Euro