Beiderseits der Oder:

Geschichtsraum / Grenzraum / Begegnungsraum

7. September 2018 bis 20. Januar 2019

 

Eine dokumentarisch-künstlerische Rauminszenierung im Rahmen des Themenjahres Kulturland Brandenburg 2018 „wir erben. Europa in Brandenburg – Brandenburg in Europa“ und des Europäischen Kulturerbejahres 2018 SHARING HERITAGE

Die dokumentarisch-künstlerische Rauminszenierung beschreibt die Region beiderseits der Oder als einen erinnerungsgeschichtlichen europäischen Raum, der Deutschen und Polen gemeinsam ist.

Sie entsteht in Partnerschaft mit dem Muzeum Ziemi Lubuskiej w Zielonej Górze/Museum des Lebuser Landes in Grünberg, dem Muzeum Lubuskie im. Jana Dekerta w Gorzowie Wielkopolskim/Lebuser Museum in Gorzów/Landsberg an der Warthe, dem Kulturhaus in Gubin/Gubiński Dom Kultury und mit freundlicher Beratung des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften/Centrum Badań Historycznych Polskiej Akademii Nauk w Berlinie. Die Szenografie wird entworfen und realisiert in Zusammenarbeit mit dem Masterstudiengang Bühnenbild_Szenischer Raum der Technischen Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Kerstin Laube.

Der Einführungsbereich der Ausstellung zum historischen Hintergrund gibt mit Karten, Bildern und Texten zunächst Informationen zu Flucht und Vertreibung während und nach dem Zweiten Weltkrieg infolge des Hitler-Stalin-Pakts 1939 und der Potsdamer Konferenz 1945. Infolge der nationalsozialistischen Besatzungspolitik sowie des Zweiten Weltkrieges und der alliierten Nachkriegsordnung vollzog sich in der Region beiderseits der Oder die Tragödie der größten europäischen Menschenverschiebung des 20. Jahrhunderts. Noch heute leben in der deutschen Oderregion bis zu 30% Menschen, deren Vorfahren von jenseits der Oder geflohen sind, vertrieben oder ausgesiedelt wurden. Ähnlich auf polnischer Seite: Hierhin kamen heimatlos Gewordene aus den ehemaligen polnischen Ostgebieten, Umsiedler aus Zentralpolen, ehemalige Zwangsarbeiter, die auf den einst deutschen Bauernhöfen geblieben waren und – ab 1947 – die in der Aktion „Weichsel“ aus dem Südosten Polens zwangsausgesiedelten Ukrainer.

Ob dies- oder jenseits der Oder: Die Erfahrungen von Flucht, Vertreibung und Umsiedlung und das staatlich verordnete Schweigen darüber blieben über viele Jahrzehnte und oft bis hinein in die nachfolgenden Generationen traumatische Erinnerungen. Und – so verschieden die historischen Ursachen und Hintergründe waren – die Erlebnisse ähneln sich: in der Ankunft im „Nichts“ 1945, im existentiellen Kampf ums Überleben, in der verzweifelten Hoffnung auf Rückkehr in die Heimat, im tiefen Gefühl von Heimatlosigkeit, verlorener kultureller Identität und des Verlorenseins und -bleibens, aber auch in der allmählichen, mühsamen Annahme des neuen Zuhauses in einem fremden kulturellen und sozialen Umfeld.

In einem inszenierten Erinnerungsraum bieten Bild- und Videosequenzen einen assoziativen Zugang zu den Geschehnissen auf deutscher wie auf polnischer Seite. Hier ähneln sich die Bilder von Menschen auf der Flucht, zerstörten Städten und Dörfern, vom Neubeginn in Landwirtschaft und Industrie: Private Fotos erzählen Familiengeschichten, offizielle Aufnahmen sind immer auch zeitgenössische Dokumente politischer Propaganda. Interviews und persönliche Erzählungen von Zeitzeugen und Nachgeborenen der Region beiderseits der Oder und Neiße ergänzen die Bilder. Die biografischen Zeugnisse in Ton- und Filmaufnahmen stehen in ihrer ganzen Subjektivität für sich und bleiben unkommentiert. Sie stellen konkrete Bezüge zu Erinnerungsorten einer europäischen Kultur- und Geschichtslandschaft dar, die von Küstrin/Kostrzyn an der Mündung der Warthe/Warta in die Oder/Odra über das an der Neiße liegende Guben/Gubin bis zum einst niederschlesischen Grünberg/ Zielona Góra am Mittellauf der Oder/Odra reicht. Diese europäische Landschaft gehört heute als Ziemia Lubuska/Lebuser Land zur Republik Polen und als Teil des Landes Brandenburg zur Bundesrepublik Deutschland.

Mit Blick auf die tragischen Schicksale infolge von Flucht, Vertreibung und Umsiedlung fragt die Ausstellung also auch: Wie wurde beiderseits der Oder aus der Fremde eine Heimat, und wie kann die neue Heimat Perspektiven für eine neue kulturelle Identität öffnen? Antworten darauf finden sich in den Interviews, die auch einen Grundoptimismus spiegeln, sich des gemeinsamen Erbes dies- und jenseits der Oder zu vergewissern und mit Offenheit aufeinander zuzugehen.

Öffnungszeiten

Dienstag bis Donnerstag 10–17 Uhr
Freitag bis Sonntag
und an Feiertagen 10–18 Uhr
Montag geschlossen

Eintritt

Eintritt: 5 Euro, erm. 3 Euro
freitags 3 Euro für alle

Freitag, 28.09.2019: freier Eintritt für alle (gilt auch im Filmmuseum, Potsdam Museum und Naturkundemuseum)

bis 18 Jahre und für ALG II-Empfänger: frei
Sonderkonditionen für Gruppen, Schulklassen, Familien und für Kombikarten

Weitere Tickets und Anfahrt »

Kasse und Informationen

Tel.: +49 331 620 85-50
kasse[at]gesellschaft-kultur-geschichte.de