Pressemeldung des HBPG

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte eröffnete gestern Werkstatt-Ausstellung "Fundstücke aus Brandenburg. Zwei Ausstellungen aus dem Jahr 1989"

12.04.2019

Schau zum 30. Jahrestag der Friedlichen Revolution läuft vom 12. April bis 23. Juni 2019 im Kutschstall in Potsdam

Aus Anlass des 30. Jahrestages der Friedlichen Revolution 1989 zeigt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) vom 12. April bis 23. Juni 2019 die Werkstatt-Ausstellung "Fundstücke aus Brandenburg. Zwei Ausstellungen aus dem Jahr 1989". Der Eintritt dazu ist frei.
Die Schau im Kutschstall in Potsdam wurde gestern von der brandenburgischen Kultusministerin Dr. Martina Münch und vom Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Potsdam Mike Schubert eröffnet.

Die Werkstatt-Ausstellung stellt zwei zeitgeschichtliche Zeugnisse einander gegenüber, die aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – quasi „von oben“ und „von unten“ –  Momentaufnahmen vom letzten Jahr der DDR vermitteln:

Ausstellung
Suchet der Stadt Bestes | Potsdam | 10. September bis 8. Oktober 1989

In privater Hand hat sich diese kleine Schau erhalten, zu der engagierte Potsdamer im Sommer 1989 die Initiative ergriffen hatten. Mit ihr wollten sie über die historische und architektonische Bedeutung des Areals der zweiten barocken Stadterweiterung Potsdams informieren und zugleich das öffentliche Schweigen zum fortschreitenden Verfall und zu den bereits begonnenen Flächenabrissen in der Potsdamer Altstadt brechen. In einer Zeit, als das Ende der DDR unmöglich abzusehen war, bedeutete es noch ein persönliches Risiko, diese Idee auch umzusetzen – in den eigenen vier Wänden, nach Feierabend und an den Wochenenden und aus eigener Tasche bezahlt. Michael Heinroth und Michael Zajonz trugen die Inhalte zusammen, Steffen Mühle und Michael Heinroth fotografierten, Wolfgang Frederick und Uta Scholz gestalteten die Texte und Zeichnungen mit der Schreibfeder, Michael Heinroth tischlerte die Ausstellungsrahmen und Vitrinen, und die Potsdamer Druckerei und Buchbinderei Christian Rüss fertigte das Besucherbuch.  Fast scheiterte das Ausstellungsprojekt, denn den staatlichen Kultureinrichtungen in Potsdam fehlte der Mut, die Präsentation zu zeigen. Schließlich stellte die evangelische Nikolaigemeinde ihren Ausstellungsraum in der Nikolaikirche am Alten Markt zur Verfügung. Die Resonanz der kleinen Schau war überwältigend: Etwa 10.000 Besucher kamen und gaben damit das hoffnungsvolle Signal, mit breitem öffentlichen Protest die drohende Zerstörung des europäisch bedeutsamen Potsdamer Flächendenkmals doch noch stoppen zu können. Die Ausstellung  wurde nach der Friedlichen Revolution zum Ausgangspunkt für eine neue, behutsame Stadtsanierung in Potsdam. Nach 30 Jahren ist sie nun erstmals wieder in Potsdam zu sehen.

Ausstellung
40 Jahre DDR-Hauptstadt Berlin | Moskau | 1. bis 20. Juni 1989

2016 stolperten HBPG-Mitarbeiter in einem Museumsdepot im Oderbruch über großformatige Ausstellungstafeln mit Berlin-Fotos und russischer Beschriftung. Ein Fund, der Rätsel aufgab: wo kamen sie her, und wozu dienten sie einst? Es folgten akribische, fast kriminalistische Recherchen, die bis in Moskauer Archive führten. Zutage kam: die Tafeln gehörten zur letzten und vermutlich größten „Leistungsschau“ der sozialistischen DDR-Hauptstadt, ausgerichtet vom Ost-Berliner Magistrat und der SED-Bezirksleitung auf dem Allunions-Messegelände in Moskau. Hinter der letzten offiziellen Auslandspräsentation der DDR in der UdSSR stand durchaus Kalkül: Vor dem Hintergrund der von Auflösungserscheinungen und Mangelwirtschaft geprägten sowjetischen Gesellschaft trumpfte die reformfeindliche SED-Führung hier noch einmal mit den Erfolgen „ihrer“ Wirtschafts- und Sozialpolitik auf. Das wurde vom Publikum durchaus auch als Seitenhieb auf Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika verstanden und im Besucherbuch reflektiert. Von den einstigen etwa 1.500 Ausstellungstafeln haben sich wahrscheinlich nur diese wenigen erhalten, die jetzt im HBPG gezeigt werden.

Drei Veranstaltungen begleiten die Werkstatt-Ausstellung:
Mi., 15. Mai 2019 | 18:00 Uhr
Vortrag "Wiedergefunden: Die letzte SED-Ausstellung in Moskau 1989"
Thomas Wernicke, wissenschaftlicher Ausstellungsleiter des HBPG, berichtet von seiner Spuren- und Zeitzeugensuche, die Stück für Stück ans Licht brachte, wie und mit welcher Absicht diese „Leistungsschau“ vor dem Hintergrund des „realen Sozialismus“ entstand, welche Resonanz sie in Moskau fand und weshalb nach 30 Jahren noch Reste von ihr erhalten sind.
Eintritt: 3 €

So., 19. Mai 2019 | Internationaler Museumstag
14:00 Uhr | 15:00 Uhr | 16:00 Uhr
öffentliche Ausstellungsführungen "Hinter den Kulissen der Ausstellung Fundstücke aus Brandenburg“
Thomas Wernicke präsentiert die Ausstellung und berichtet, wie mutige Potsdamer Bürger im Jahr 1989 in Handarbeit und auf eigene Kosten eine Ausstellung gegen die Zerstörung der Potsdamer Altstadt auf die Beine stellten. Im zweiten Teil der Führung gibt er Einblicke in seine spannenden Recherchen zu den zufällig gefundenen Überresten der Berliner „Leistungsschau“ von 1989. Die Besucher lernen dabei aus erster Hand die vielfältige Arbeit des Ausstellungsmachens am HBPG kennen.
Eintritt: frei

Mi., 29. Mai 2019 | 18:00 Uhr
Podiumsgespräch "Die bürgerschaftliche Ausstellung Suchet der Stadt Bestes von 1989"
Michael Heinroth und Michael Zajonz im Gespräch mit Thomas Wernicke, HBPG
Die beiden Initiatoren der Ausstellung erzählen von ihrem bürgerschaftlichen Engagement in den 1980er Jahren und von Entstehung und Erfolg ihrer Ausstellung. Sie berichten von den Schwierigkeiten des offenen Wortes in einer Zeit des öffentlichen Schweigens, als niemand ahnen konnte, dass nur Wochen später der Staat DDR und damit auch die Baupolitik der SED ein Ende haben würden. Ihre Ausstellung war ein Protest gegen die dramatische Zerstörung der Potsdamer Altstadt und Signal für die Rettung eines der wertvollsten europäischen Flächendenkmale. Nach der „Friedlichen Revolution“ wurde sie zum Ausgangspunkt für eine neue, behutsame Stadtsanierung, und heute ist die erhaltene Potsdamer Altstadt ein Touristenmagnet.
Eintritt: 3 €

Pressefotos zur Ausstellung »


"Fundstücke aus Brandenburg – zwei Ausstellungen aus dem Jahr 1989"
Eine Werkstatt-Ausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
12. April bis 23. Juni 2019

Besucheradresse
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
Kutschstall, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam
Das Haus ist rollstuhlgerecht ausgestattet.

Eintritt: frei

Öffnungszeiten
Di bis Do 10–17 Uhr | Fr bis So und an Feiertagen 10–18 Uhr

Kasse und Informationen
Tel.: 0331 62085-50 | kasse[at]gesellschaft-kultur-geschichte.de

Foto: Max Meier, BKG/HBPG