Pressemeldung des HBPG

Ausstellungseröffnung "uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß"

14.04.2016

uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß Große Sonderausstellung wird heute im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam eröffnet

Von der wechselvollen Geschichte und Gegenwart des textilen Handwerks und der Bekleidungs-produktion in Brandenburg-Preußen erzählt ab morgen die Sonderausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte "uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß".
Die Schau im Rahmen des Themenjahres Kulturland Brandenburg 2016 "handwerk – zwischen gestern & übermorgen" ist vom 15. April bis 24. Juli 2016 im Kutschstall, Am Neuen Markt, in Potsdam zu sehen.

"uni-form? Körper, Mode und Arbeit nach Maß" verfolgt zwei Prozesse, die einander immer bedingten: die Entstehung vielfältiger Methoden zur Vermessung und Standardisierung des Körpers und die Entwicklung vom Schneiderhandwerk über die serielle bis hin zur modernen, massenhaften Bekleidungsproduktion.

Bei der Ausstellunggestaltung ging das HBPG vom Entwurf bis zur Realisierung neue Wege. In Zusammenarbeit mit dem Interdisziplinären Raumlabor am Masterstudiengang Bühnenbild_Szenischer Raum der TU Berlin wurde unter der Leitung von Prof. Albert Lang im Wintersemester 2015/16 ein Studienprojekt durchgeführt, bei dem sich die Masterstudierenden mit dem Ausstellungskonzept auseinandersetzten und vier Modelle für die Ausstellungsarchitektur erarbeiteten. Der von einer gemeinsamen Jury ausgewählte Siegerentwurf von Julia Casabona (Frankreich), Elizabeth Kelly (USA) und Lena Bulochnikova (Russland) ist dann in überarbeiteter Form umgesetzt worden. So präsentiert die Ausstellung das kulturhistorische Thema als szenische Erzählung mit historischen Exponaten sowie Installationen und künstlerischen Arbeiten von Julia Bonn, Anke Dessin, Alba D´Urbano, Susanne A. Friedel, Kati Gausmann, nichtichx2, Anette Rose und Helena Waldmann, die aktuelle und subjektive Schlaglichter setzen.
Im Eingangsbereich zur Ausstellung werden die vier Architekturmodelle des Wettbewerbs präsentiert.

Die szenische Erzählung
Wie so vieles in Preußen verbindet sich auch der Beginn der textilen Manufakturproduktion im 18. Jahrhundert mit dem Militär. Um den Bedarf des stehenden Heeres an Uniformen decken zu können, musste seriell produziert werden. Dafür wurden erste Mustergrößen und standardisierte Herstellungsverfahren entwickelt. Bald folgte die Fertigung auch von ziviler Bekleidung nach Normalgrößen, die sich später immer weiter differenzierten.

Die Geschichte der seriellen Bekleidungsproduktion ist eng verbunden mit der Suche nach universellen Größensystemen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen deshalb die unterschiedlichen Methoden des Vermessens. Sie zergliedern den menschlichen Körper in Messstrecken und Zahlen und ermöglichten damit den Übergang vom einst ganzheitlichen Handwerk in einzelne, standardisierte Arbeitsbereiche der kapitalistischen Produktion.

Im 19. Jahrhundert und noch bis Mitte der 1950er Jahre existierten vielfältige und zahlreiche Größensysteme für Konfektionsbekleidung, und bald jedes Modegeschäft hatte sein eigenes. Fast vergessen ist z.B. die Kennzeichnung von Konfektionsgrößen mit bunten Sternen. Für das jugendliche Mädchen ("Backfisch") stand der blaue oder weiße Stern, der "Gelbstern" war die angestrebte ideale weibliche Normalgröße, und der rote bzw. grüne Stern entsprach den Kleidermaßen älterer Damen. In der Literatur und in Theaterstücken der 1920er Jahre rankten sich schillernde Geschichten um die entsprechenden Vorführdamen in den Geschäften und Kaufhäusern.

Noch heute gibt es unterschiedliche Größensysteme der Konfektion, und mit statistischen Reihenmessungen und modernen, digitalen Messverfahren wird weiter um die richtige Passform für möglichst viele Menschen gerungen. Vor diesem Hintergrund fragt die Ausstellung auch nach den Maßstäben und Normen der modernen Textil- und Modeindustrie im Spannungsfeld von gesellschaftlichen Idealen, Individualität, Uniformität und Globalisierung.

Die Ausstellung wurde im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin kuratorisch beraten.
Kuratorinnen der Ausstellung sind Dr. Daniela Döring, Dr. Hannah Fitsch und Rabea Rugenstein.

In Ergänzung der Ausstellung präsentiert das Brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege und Archäologische Landesmuseum (BLDAM) im oberen Foyer des HBPG sein aktuelles "Schaufenster" über die Stadt Forst (Lausitz), deren Denkmallandschaft maßgeblich von Bauten und technischen Einrichtungen der frühindustriellen Textilindustrie geprägt ist.

Begleitend zur Ausstellung erscheint die Broschüre
Vom Maßnehmen, Zuschnitt und Nähen einer Ausstellung
herausgegeben von Daniela Döring im Auftrag des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, 96 Seiten, Format: 15 x 23 cm
Sie ist im Museumsshop des HBPG zum Preis von 7,50 Euro erhältlich.

Ein Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen, Filmen, einem Workshop, einem Werkstatt- und einem Podiumsgespräch ergänzt und erweitert das Spektrum der Ausstellung.

Ausstellungseröffnung: Donnerstag, 14. April 2016, 18 Uhr | Eintritt: frei

Eintritt zur Ausstellung
geändert: 5 Euro, erm. 4 Euro, freitags 4 Euro
bis 18 Jahre freier Eintritt, Sonderpreise für Gruppen, Familien und Schulklassen

buchbare Gruppenführungen
bis 20 Personen | ca. 50 Minuten
50 Euro Gebühr + 4 Euro erm. Eintritt/Person
Buchung: 0331 62085-55 | fuehrungsbuero[at]hbpg.de

Besucheradresse
Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
Kutschstall, Am Neuen Markt 9
14467 Potsdam

Öffnungszeiten
Di bis Do 10–17 Uhr
Fr 10–19 Uhr
Sa/So und feiertags 10–18 Uhr
Mo geschlossen

Informationen
Tel.: 0331 62085-50

Partner und Förderer der Ausstellung

  • Interdisziplinäres Raumlabor TU Berlin, Masterstudiengang Bühnenbild_Szenischer Raum
  • Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin
  • Märkische Stiftung für Gesundheits- und Kulturförderung
  • Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
  • Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien an der Universität Potsdam
  • Filmmuseum Potsdam
  • Einen Druckkostenzuschuss zur Begleitbroschüre finanzierte die Gerda-Weiler-Stiftung.


Kulturland Brandenburg 2016 wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg.
Mit freundlicher Unterstützung der brandenburgischen Sparkassen, der Investitionsbank des Landes Brandenburg und des Handwerkskammertages des Landes Brandenburg
Medienpartner: kulturradio vom rbb, Antenne Brandenburg, Lausitzer Rundschau, punkt 3
www.kulturland-brandenburg.de