Pressemeldung des HBPG

„Beiderseits der Oder. Geschichtsraum | Grenzraum | Begegnungsraum“

06.09.2018

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte eröffnet szenische Ausstellung.

Vom 7. September 2018 bis 20. Januar 2019 präsentiert das Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) die Ausstellung „Beiderseits der Oder. Geschichtsraum | Grenzraum | Begegnungsraum“. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 SHARING HERITAGE. Sie beschreibt die Region beiderseits der Oder als einen erinnerungsgeschichtlichen Raum, der heute Deutschen und Polen gemeinsam ist. Im Mittelpunkt stehen Menschen, deren Lebensgeschichten mehrheitlich geprägt sind durch Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung während des Zweiten Weltkriegs und in den Nachkriegsjahren. Zu Wort kommen Nachbarn von beiden Seiten der Oder, die den Blick nicht nur in die Vergangenheit richten, sondern auch berichten, wie für sie Fremdes zu Eigenem wurde, wie neue kulturelle Identitäten entstanden, und welche Möglichkeiten sie heute für eine deutsch-polnische Verständigung sehen.

Ein als Gesamtkunstwerk inszenierter Raum lädt den Besucher zu einer Reise beiderseits der Oder ein. Nicht Exponate oder Schautafeln, sondern Audio-, Bild- und Videosequenzen begleiten den Besucher auf seiner Reise und bieten ihm einen assoziativen Zugang zu den geschichtlichen Ereignissen. Auch wenn sich die Ursachen unterscheiden, die Situation beiderseits der Oder ähnelte sich: die Besucher sehen Menschen auf der Flucht, zerstörte Städte und Dörfer, und sie erhalten Einblick in den Neubeginn in Landwirtschaft, Industrie und Privatleben. Fotos und Filmausschnitte, aktuelle Interviews und persönliche Erzählungen von Zeitzeugen und Nachgeborenen aus der Region werden verwoben mit privatem Bildmaterial, das in erster Linie Familiengeschichten erzählt, sowie mit offiziellen Aufnahmen, die immer auch Dokumente politischer Propaganda sind. Das Ergebnis ist eine Raumdramaturgie, die alle Sinne anspricht und den kollektiven Schock von Flucht, Vertreibung und erzwungenem Neubeginn nachvollziehbar macht.

Ausgangspunkt für die Ausstellung war die Zusammenarbeit der Kuratoren des HBPG, Thomas Wernicke und Julia Bork, mit dem Masterstudiengang Bühnenbild_Szenischer Raum der Technischen Universität Berlin unter der Leitung von Prof. Kerstin Laube. Bei einer gemeinsamen Recherchereise im Frühjahr 2018 in die Oderregion hat das Ausstellungsteam umfangreiches Interview- und Bildmaterial zusammengetragen. Anschließend wurde der Entwurf der Studierenden Svenja Stannat und Suriya Poieam für die szenische Gestaltung der Ausstellung ausgewählt und umgesetzt.

Ein Einführungsbereich informiert mit Karten und einem Zeitstrahl über den historischen Hintergrund. Das Trauma des Zweiten Weltkriegs hat das Verhältnis von Polen und Deutschen stark belastet. Lange verstellte die deutsche Sicht auf Flucht und Vertreibung die Wahrnehmung der polnischen Leidensgeschichte. Diese begann für Millionen von Menschen nicht erst im Frühjahr 1945, sondern schon im September 1939 mit der deutschen Besatzung und der nationalsozialistischen Germanisierungspolitik. Bis weit in die Nachkriegszeit erlitten viele Polen das Schicksal mehrfacher Flucht, Vertreibung, Deportation und Zwangsumsiedlung. Erst die völkerrechtliche Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze im Jahr 1990 gab ihnen endlich die lange vermisste territoriale Sicherheit.

Die Ausstellung entstand in Partnerschaft mit dem Muzeum Ziemi Lubuskiej (Museum des Lebuser Landes) in Zielona Góra, dem Muzeum Lubuskie im. Jana Dekerta (Lebuser Museum Jan Deckert) in Gorzów Wielkopolski, dem Gubiński Dom Kultury (Gubiner Kulturhaus), Oderläufe e. V. und dem Bildungs- und Begegnungszentrum Schloß Trebnitz e. V. sowie mit freundlicher Beratung des Zentrums für Historische Forschung Berlin der Polnischen Akademie der Wissenschaften/Centrum Badań Historycznych Polskiej Akademii Nauk w Berlinie.

Ein illustrierter Ausstellungsführer weist den Besuchern den Weg durch die Ausstellung und zu den Orten der Recherchereise, stellt die Gesprächspartner vor und gibt Auskunft zu den Videos und Bildern.

Ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm wird die Ausstellung begleiten.
Weitere Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm »

Pressefotos zum Download »

Ein Projekt im Rahmen des Themenjahres von Kulturland Brandenburg 2018 „wir erben. Europa in Brandenburg – Brandenburg in Europa“.Kulturland Brandenburg 2018 wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg. Mit freundlicher Unterstützung der brandenburgischen Sparkassen. Mit freundlicher Unterstützung der Investitionsbank des Landes Brandenburg.

Sonderausstellung
Beiderseits der Oder: Geschichtsraum/Grenzraum/Begegnungsraum

Eine szenische Ausstellung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
7. September 2018 bis 20. Januar 2019

Besucheradresse: Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte
Kutschstall, Am Neuen Markt 9, 14467 Potsdam

Das Haus ist rollstuhlgerecht ausgestattet.

Öffnungszeiten
Di bis Do 10 bis 17 Uhr
Fr bis So und feiertags 10 bis 18 Uhr
Heiligabend geschlossen | Silvester 10 bis 16 Uhr | Neujahrstag 13 bis 18 Uhr

Eintritt
5 Euro / ermäßigt 3 Euro
freitags ermäßigt 3 Euro für alle
Jugendliche bis 18 Jahre und ALG II-Empfänger: frei
Freitag, 28.09.2018: freier Eintritt für alle (gilt auch im Filmmuseum Potsdam, Potsdam Museum und Naturkundemuseum)
Sonderkonditionen für Gruppen, Schulklassen und Familien

Kasse und Informationen
Tel.: 0331 620 85-50 | kasse[at]gesellschaft-kultur-geschichte.de