Pressemeldung des HBPG

1,80 m großer Nachbau der Glocke der Wilsnacker Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut als erstes Exponat der kommenden Reformationsausstellung wird ab heute im HBPG präsentiert

08.06.2017

Erstes Groß-Exponat der Ausstellung „Reformation und Freiheit. Luther und die Folgen für Brandenburg und Preußen“ ist heute im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte eingetroffen

Ab heute können die Besucher des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) das erste Exponat der kommenden Sonderausstellung „Reformation und Freiheit. Luther und die Folgen für Brandenburg und Preußen“ (8. September 2017 bis 21. Januar 2018) betrachten: Im Foyer des Kutschstalls wird der Nachbau der 1,80 m großen, 1471 gefertigten Glocke der Wilsnacker Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut präsentiert.

An ihrem oberen Rand befindet sich eine lateinische Inschrift, die besagt: „Ein süßes Lied läute ich, den Heiligen zur Freude schlage ich, Hosianna in der Höhe, 1471“. Daneben ist das Wilsnacker Pilgerzeichen zu erkennen, das aus drei Kreisen besteht, die für die Wunderbluthostien stehen. Inschrift und Pilgerzeichen zusammen verweisen auf die ursprüngliche Bestimmung der Glocke: Sie wies Pilgern aus ganz Europa den Weg in die damals weltberühmte, heute weithin vergessene Wilsnacker Wallfahrtskirche.

Im Zusammenhang mit der Einführung der Reformation in der Mark Brandenburg und der Errichtung seines landesherrlichen Kirchenregiments hatte Kurfürst Joachim II. die Wunderblutglocke nach Berlin abtransportieren lassen. 1562 fügte er sie als letzte in das Glockenensemble seines neuen Glockenturms neben seiner landesherrlichen Zentralkirche, dem Dom, ein und setzte damit ein symbolträchtiges Zeichen seiner neuen Macht. Keine Kirche im ganzen Territorium besaß ein vergleichbar großes und klangschönes Geläut.

Der von Joachim II. errichtete Glockenturm des Berliner Doms wurde 1716 abgerissen, die Wilsnacker Glocke wurde in die Glockentürme aller Nachfolgebauten übernommen und läutet dort bis 1921.
Mit dem Kauf durch das Märkische Museum konnte ihre Einschmelzung verhindern werden.

Ab dem 8. September 2017 wird die Wilsnacker Wunderblutglocke in der Ausstellung „Reformation und Freiheit. Luther und die Folgen für Brandenburg und Preußen“ im HBPG zu sehen und auch zu hören sein – als Nachbau, denn um das Original aus dem Gebäude des Märkischen Museums herauszubekommen, müsste man dort das Mauerwerk einreißen.

Nach Abschluss der Ausstellung wird der – wetterbeständige –  Glockennachbau die „Heimreise“ nach Bad Wilsnack antreten und dort neben der Wunderblutkirche ím Freien präsentiert.

Nachbau Wilsnacker Glocke im HBPG © HBPG / Foto: Antje Frank

Unbekannter Gießer: Glocke der Wallfahrtskirche zum Heiligen Blut, Wilsnack, 1471 Bronze, gegossen; H: 190 cm; D: 184 cm, Krone: 40 cm, G: 3510 Kg © Stiftung Stadtmuseum Berlin / Foto: Michael Setzpfandt, Berlin